Gymnastik wird schmerzlich vermisst

Übungen an der frischen Luft als Ersatz für professionell angeleiteten Herzsport

Von

Gabriele Böhm

22.04.2020 07:00

REUTLINGEN.

Sport ist gesund und wichtig, ganz besonders bei Herz- und Kreislauferkrankungen. Dies vermittelt seit ihrer Gründung die Interessengemeinschaft Ambulante Herzgruppe Reutlingen (IGAH-RT), die im vergangenen Jahr ihr 40-jähriges Bestehen feiern konnte. Doch in Corona-Zeiten müssen die wöchentlichen Übungsstunden entfallen. »Bei Herzkrankheiten ist der Lebensstil entscheidend, um Beschwerden und Risiken vorzubeugen oder den Zustand zu verbessern«, betont Horst Neumeir, Vorsitzender des Patientenrats.

Im November 1979 hatte sich die Gruppe gegründet, um gemeinsam gesundheitsbewusstes Verhalten zu üben, die körperliche Leistungsfähigkeit wieder zu erlangen und zu erhalten und Erfahrungen unter Betroffenen auszutauschen. Rund 220 Herzsportler bemühen sich aktiv um eine Verbesserung ihrer Gesundheit und ihres Wohlbefindens.

»Bereits am 10. März 2020 haben wir alle Veranstaltungen und Übungseinheiten abgesagt«, so Neumeir. Das sei zu diesem Termin noch nicht Vorschrift gewesen, doch alle Herzsportler gehörten zur größten Risikogruppe. »Daher blieb uns gar keine andere Wahl.« Auch das Jahresprogramm mit Ausflügen, Grillfesten und Besichtigungen wurde vorerst eingefroren.

»Im Moment zehren wir noch von unserer letzten Wanderung am 27. Februar«, berichtet Horst Neumeir. »Durch eine wunderbare, schneebedeckte Landschaft führte uns der Weg von Böhringen aus nach Hengen.« Mit Musik und Gesang habe man den herrlichen Nachmittag beendet. Bereits der nächste Ausflug, der die Herzsportler nach Langenenslingen ins Zuckergässle geführt hätte, musste abgesagt werden.

Schmerzlich vermisst werden vor allem die Gymnastikübungen. »Alle Mitglieder stehen in den Startlöchern, verdammen das Coronavirus und hoffen, dass sie bald wieder am Herzsport teilnehmen können«, bringt Neumeir es auf den Punkt. Ersatzweise habe es Empfehlungen der Mediziner gegeben, die die Herzsportler betreuen: Man solle jeden Tag mindestens 30 bis 40 Minuten an der frischen Luft wandern, im Freien Gymnastikübungen machen, genug Flüssigkeit zu sich nehmen und konsequent seine Medikamente nach ärztlicher Verordnung einnehmen. Selbstverständlich herrsche Rauchverbot. »Den professionellen Herzsport, angeleitet durch professionelle Übungsleiterinnen und Übungsleiter kann das natürlich nicht ersetzen«, meint Neumeir bedauernd. (aus dem GEA)

 

 

 

Herzsportgruppe Reutlingen beim BeckaBeck in Böhringen

 

Trotz Schneetreiben und eisigem Wind wanderten 53 Herzsportler quer über die Schwäbische Alb von Böhringen nach Hengen.

Vor der Wanderung besichtigte man in Römerstein-Böhringen die Backstube BeckaBeck unter fachkundiger Führung des Inhabers  Heinrich Beck.

Von dem Motto  „Jeden Dag ebbes Bsonders“ konnten sich die Herzsportler vom Vorratslager bis zum fertigen Produkt selbst überzeugen.

Nach reichhaltigem Frühstück und einer anschließenden Präsentation über den Anbau verschiedener Getreidesorten, erkannte jeder Teilnehmer, dass ausschließlich Urgetreide von der Schwäbischen Alb und Kräuter aus biologischem Anbau sowie Obst aus den Gärten der Region verarbeitet werden. Traditionelle Handwerkskunst lässt sich selbst bis ins kleinste Detail erkennen z.B. bei der Erstellung von Marzipanfiguren. Am Nachmittag wanderte die Gruppe entlang der neuen Skirollertrainingsstrecke der Ski Zunft Römerstein die im vergangenen Jahr eingeweiht wurde, vorbei am Schützenhaus Hengen, Albtanne und weiter zum Grammophonmuseum bzw. Gasthaus Lamm in Hengen. Ein besonderes Highlight war die private Grammophonsammlung von Herrn Geigle, jedoch sollte man mindestens 3 Stunden für die Führung einplanen.

Nach dem Essen im Gasthof Lamm und guter Stimmung mit Gesang und Polonaise, begann die Rückfahrt über schneebedeckte Straßen nach Reutlingen.

 

02.03.2020 Neumeir